Kommunikation und Einarbeitung – auch in Tierarztpraxen… …Grundpfeiler einer vielversprechenden Anstellung…

Ein anonymer Erfahrungs­bericht – Anre­gung zum Nach­denken und gute Tipps:

Meine gescheit­erten Anstel­lun­gen hat­ten zumeist Eines gemein­sam. Es bestand prinzip­iell eine unter­schiedliche Vorstel­lung von Werten, Kom­mu­nika­tion und Rel­e­vanz ein­er Einar­beitung.

Mob­bing, Bedro­hung, Erpres­sung und Belei­di­gung sind nur wenige Nomen, die ich mit been­de­ten Anstel­lun­gen verbinde. Mir wurde sukzes­sive die Freude am Prak­tizieren genom­men, denn irgend­wann ist das Maß an zwis­chen­men­schlichen, fach­lichen und auch rechtlichen Fehltrit­ten voll.

Ich teile meine Erleb­nisse, Erken­nt­nisse und Ernüchterun­gen, um Kol­le­gen möglichst vor ähn­lichen Erfahrun­gen zu bewahren und aufzuzeigen, wie ich es mir bess­er vorgestellt hätte.

Hier einige Eck­punk­te, die meine Praxis­er­fahrun­gen in Kürze wider­spiegeln:

Ich war Zeuge, wie Auszu­bildende vor Kun­den belei­digt, halt­los beschuldigt und abgemah­nt wur­den. Ich erlebte wie Urlaub­santräge über Monate ignori­ert wur­den, auch noch nach diversen Gespräch­san­läufen mit dem Chef. Oft­mals erlebte ich, wie der Mitar­beit­er­schutz nur eine rudi­men­täre, unter­ge­ord­nete Rolle spielte (fehlende Dosime­trie, Ver­bot Maulkörbe anzuwen­den, etc.). Ich erfuhr eben­falls, wie Mitar­beit­er zu strafrechtlichen Fehlern ermutigt wur­den.

Fern­er wur­den ver­tragliche Vere­in­barun­gen aus Vorstel­lungs­ge­sprächen gän­zlich ignori­ert oder vergessen, eben­so Inhalte, die man aus Wichtigkeit her­vorhob (gründliche Einar­beitung, Ken­nt­nis­stand bei Ein­stel­lung). Das ging in einem Fall so weit, dass man in einem vorgelegten Ver­trag­sex­em­plar eine nicht vere­in­barte Brut­tovergü­tung vor­fand. Nach dem ersten, zudem drei Wochen nach Arbeits­be­ginn vorgelegten, fehler­haften Ver­tragsen­twurf, fol­gten noch zwei weit­ere fehler­hafte Exem­plare, weshalb let­z­tendlich ohne einen gülti­gen Arbeitsver­trag gear­beit­et wurde,Des Weit­eren erlebte ich, wie man ohne jegliche Einar­beitung mit wenig Beruf­ser­fahrung (< 7 Monat­en) von dem ersten Arbeit­stag und das fol­gende gesamte Woch­enende (Fr- Mo) Not­di­enst absolvieren musste – wed­er gut für die Prax­is­rep­u­ta­tion noch für die Ner­ven.

Lösun­gen waren sel­ten zu find­en, denn mit einem cho­lerischen oder unein­sichti­gen oder unfehlbaren Chef war eine kon­struk­tive Kon­ver­sa­tion nicht möglich.

Um nun Kol­le­gen möglichst vor ähn­lichen Fehltrit­ten zu bewahren, kann ich fol­gende Empfehlun­gen aussprechen:
In einem Vorstel­lungs­ge­spräch soll­ten alle arbeit­srel­e­van­ten Kon­di­tio­nen offen und ehrlich ange­sprochen wer­den (dür­fen). Alle Nebenabre­den sind schriftlich zu fix­ieren. Mündlich getrof­fene Entschei­dun­gen seit­ens des Arbeit­ge­bers benöti­gen für ihre Recht­skraft der schriftlichen Form. Hat man eigen­ständig noch einen ver­traglichen Aspekt, der zwis­chen bei­den Parteien fest­ge­hal­ten wer­den soll, geschieht dies eben­falls in Schrift­form.

Alle Vere­in­barun­gen eines Vorstel­lungs­ge­spräch­es (z.B. Gehalt, Urlaub­stage) sind mit Hand­schlag bere­its recht­skräftig fix­iert – eine Über­nahme in den Arbeitsver­trag ist den­noch zwin­gend.

Ist einem eine gewis­senhafte Einar­beitung wichtig, betont man dies zumeist bere­its im Anschreiben des CV und bei Bedarf erneut im Vorstel­lungs­ge­spräch. Um zu eruieren, ob bei­de Parteien eine ähn­liche Vorstel­lung der Einar­beitung haben, kann man expliz­it nach­fra­gen, wie diese gestal­tet wird. Man hat eben­falls die Option Ziele der Einar­beitung schriftlich zu fix­ieren. Für mich ist es immer noch fraglich, wie man neue Kol­le­gen ein­stellt, z.B. ohne sie über­haupt durch das Prax­is­ge­bäude geführt zu haben. Ist die Einar­beitung nicht meine Chance als Arbeit­ge­ber den neuen Angestell­ten möglichst so zu formen/ anzulernen/ einzuführen, dass er let­z­tendlich mit mein­er Unternehmen­sphiloso­phie kon­form geht?! Ist es nicht das Ziel, dass meine Angestell­ten untere­inan­der möglichst kon­gru­ent arbeit­en und eine Geschlossen­heit dem Kun­den präsen­tieren? Ist es nicht sog­ar meine Erwartung als Tier­hal­ter, dass, wenn ich in ein­er Prax­is bei Tier­arzt A mit meinem Tier in Behand­lung bin, sein Kol­lege Tier­arzt B eine ähn­liche, nahezu gle­iche Vorge­hensweise zeigt? Let­z­tendlich ist es die Rep­u­ta­tion der Prax­is, die man pos­i­tiv bee­in­flussen kann, wenn man Kol­le­gen im Rah­men ein­er Einar­beitung in die eigene prax­is­in­terne Philoso­phie ein­führt.

Zudem gibt die Einar­beitung die Chance Hür­den und Her­aus­forderun­gen aufzudeck­en und gemein­sam zu bewälti­gen, im Team anzukom­men und sich ins­ge­samt ken­nen­zuler­nen.

Schlussendlich gibt die zumeist sechsmonatige Probezeit dem Angestell­ten wie dem Arbeit­ge­ber eben­so die Chance die Beschäf­ti­gung grund­los bin­nen ein­er Frist von zumin­d­est zwei Wochen zu been­den. Grobe Ver­stöße gegen das Arbeit­szeit­ge­setz, den Mitar­beit­er­schutz sowie Straftat­en etc. sind berechtigte Gründe, eine Prax­is auch unverzüglich ver­lassen zu wollen.

Mein­er Mei­n­ung nach sollte jedoch jede finale Entschei­dung mit einem offe­nen Gespräch vor­ab ein­herge­hen, wenn dies nicht grund­sät­zlich regelmäßig (2 Mal jährlich) geschieht. Den jew­eili­gen Mit­men­schen auf Fehler oder ähn­lich­es respek­tvoll hinzuweisen, impliziert eine Grun­didee von Wertschätzung. Wir alle machen Fehler und haben das Recht aus ihnen zu ler­nen.

Kein­er sollte vor vol­len­dete Tat­sachen gestellt wer­den. Mein­er Mei­n­ung nach gehören in jedes Unternehmen regelmäßige Team- sowie 1:1- Kon­ver­sa­tio­nen. So kön­nen in regelmäßi­gen engen Abstän­den mögliche Hür­den und Hin­dernisse, Her­aus­forderun­gen und Erfol­gser­leb­nisse the­ma­tisiert wer­den. Das Team wächst durch die ehrliche und offene Kom­mu­nika­tion bess­er zusam­men. Empfehlun­gen und weit­ere Gedanken dazu geben u.a. auch die BaT-Stan­dards.

Die offene und ehrliche Kom­mu­nika­tion sowie eine gewis­senhafte Einar­beitung habe ich bis dato vergebens gesucht. Ich wün­sche jedoch all meinem Kolleg/innen viel Erfolg und­Kraft eine erfül­lende, wertschätzende Anstel­lung mit Per­spek­tive zu find­en.

Anonym

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