Wann wählt die erste Tierklinik einen Betriebsrat?

Betriebsrat, Tarifverträge, Gewerkschaften  —  ungewohnte Vokabeln für uns Tierärzte.

Das klingt eher nach Indus­triezeital­ter, Arbeit­ern, Auto­bauern oder Stahlw­erk­ern. Übri­gens Branchen, mit oft gut bezahlten Jobs, klaren Regelun­gen, was die Löhne und Zula­gen ange­ht und ein­er starken Mitar­beit­er­vertre­tung. Dort existieren Betrieb­svere­in­barun­gen zu Kurzarbeit, müssen Kündi­gun­gen mit dem Betrieb­srat abge­sprochen sein und die kor­rek­te Arbeit­szeit­er­fas­sung ist eine Selb­stver­ständlichkeit.

Gemeinsam mehr erreichen

Schluss mit dem altrömis­chen Macht­prinzip „Teile – und Herrsche.“ Der BaT stellt diesem sein Mot­to „Gemein­sam mehr erre­ichen“ ent­ge­gen. Dahin­ter ver­ber­gen sich keine linksradikalen Ansicht­en, son­dern die Erken­nt­nis, dass sich die Arbeits- und Organ­i­sa­tion­sstruk­turen in Prax­en und Kliniken aus der Ver­gan­gen­heit aus Arbeit­nehmer­sicht nicht bewährt haben und neu gedacht wer­den müssen. Ger­ade in den sich aktuell etablieren­den größeren Ein­heit­en, mit zum Teil berufs­fremder Geschäfts­führung, ist es uner­lässlich, dass sich die angestell­ten Tierärzte organ­isieren, um ihre Inter­essen zu vertreten. Anson­sten wer­den weit­er drin­gend benötigte junge Kol­legin­nen und Kol­le­gen aus der Prax­is abwan­dern.

Chancen für Angestellte, aber auch Arbeitgeber

Für die Arbeit­ge­ber­seite in unser­er Branche ist es Neu­land, plöt­zlich Ein­blicke zu gewähren in strate­gis­che Entschei­dun­gen oder Rechen­schaft able­gen zu müssen. Doch nur so ist es möglich, wenn von den Mitar­beit­ern einge­fordert wird, auch unternehmerisch zu denken.

Mitbes­tim­mung ist ein Pfeil­er der sozialen Mark­twirtschaft und der Demokratie. Uns darauf zu besin­nen, lehrt uns die Coro­na-Krise. So ergeben sich Chan­cen für gut aufgestellte Prax­en und Kliniken. Wer Rück­la­gen gebildet hat, muss nicht bei kurzfristigem Umsatzrück­gang sofort um seine Exis­tenz ban­gen. Bei ver­trauensvollem Miteinan­der und guter Bezahlung kann ein angestell­ter Tier­arzt für einen begren­zten Zeitraum auch mit 60 Prozent auskom­men, um seinen Arbeit­splatz zu erhal­ten, ide­al­er­weise aufge­stockt durch den Arbeit­ge­ber auf 80 Prozent.

Im Rah­men von Tar­ifverträ­gen liegen für solche Krisen­si­t­u­a­tio­nen Lösun­gen oft schon in der Schublade und ein Betrieb­srat arbeit­et zusam­men mit der Unternehmensführung an ein­er für Arbeit­nehmer und Arbeit­ge­ber befriedi­gen­den Umset­zung.

Was ist bei der Gründung eines Betriebsrates zu beachten?

Die Hür­den zur Grün­dung eines Betrieb­srates sind in Betrieben (oder Prax­en) mit bis zu 50 Mitar­beit­ern rel­a­tiv niedrig, es gilt ein vere­in­facht­es Ver­fahren. Min­destens fünf Wahlberechtigte über 18 Jahren (inklu­sive Auszu­bildende und Teilzeitkräfte) sind Voraus­set­zung. Die Grün­dung bedarf kein­er Erlaub­nis von Chef­seite, darf wed­er behin­dert wer­den, noch darf sich daraus ein Nachteil  ergeben. Von Beginn an müssen sich auch nicht alle Beschäftigten beteili­gen, sofern die Min­destzahl erre­icht wird.

Wer jet­zt Lust bekom­men hat, zusam­men mit Kol­legIn­nen einen Betrieb­srat zu grün­den, find­et erste inter­es­sante Infor­ma­tio­nen in einem Video unter

https://www.verdi.de/themen/arbeit/++co++e3e60560-f04c-11e1-5aa7-0019b9e321e1

Der BaT veröf­fentlicht in Kürze einen Fol­geartikel zur konkreten Vorge­hensweise und unter­stützt Euch nach dem  Mot­to „Gemein­sam mehr erre­ichen“.

Angestellte Tierärzte, Betriebsrat
Dr. Elis­a­beth Bran­de­buse­mey­er für den BaT

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