GOT 2026 im Fokus: BaT-Positionen zu Kosten und medialer Darstellung
Eine flächendeckende tierärztliche Versorgung, faire Arbeitsbedingungen und eine moderne Gebührenordnung gehören zusammen. Mit seinen Positionen zur Weiterentwicklung der GOT setzt sich der BaT für eine starke, unabhängige und zukunftsfähige Tiermedizin ein.

Weitere GOT-Erhöhung unausweichlich
Es braucht eine (weitere) Erhöhung der GOT, um die tierärztliche Versorgung (auch im Notfall) sicherzustellen.
Faire Löhne sichern Fachkräfte
In einem ersten Schritt, mit der GOT-Novelle 2022, wurde die finanzielle Situation/Ausstattung in den Praxen/Kliniken verbessert, indem der allgemeine Preisanstieg der vergangenen Jahre und der Fortschritt der Tiermedizin mit Aufnahme neuer Positionen berücksichtigt wurden.
In einem zweiten Schritt, mit der anstehenden GOT-Anpassung, müssen die Gehälter der Angestellten in der Tiermedizin (> 50 % der praktizierenden Tierärzt:innen sind mittlerweile angestellt) und der TFA steigen.
Der belastbare Beleg dafür, dass dies bereits geschehen sei, steht aus. So gaben 59 % der angestellten Tierärzt:innen im TVD Gehaltsreport 2026 an, mit ihrem aktuellen Nettogehalt ihren Lebensstandard nicht zufriedenstellend sichern zu können.
Laut aktueller Studie des BaT stiegen die Gehälter seit 2020 um etwa 19 %, jedoch schwächer als die allgemeine Lohnentwicklung in Deutschland (23 %). Folglich vergrößert sich der Abstand, besonders zu anderen akademischen Berufen, weiter.
Tierschutz beginnt bei Verantwortung
Tierschutz ist im Grundgesetz verankert. Das bedeutet, jeder Tierhaltende ist ihm verpflichtet. Die Anschaffung eines Tieres beinhaltet die Verantwortung für dessen Wohlergehen und setzt ausreichende finanzielle Mittel voraus.
Durch Prophylaxe vor Therapie, auch im Hinblick auf züchterische Maßnahmen (Stichwort Qualzucht), Begrenzung des Imports (kranker) Hunde aus dem Ausland, ausreichende finanzielle Ausstattung von Tierheimen und Tierschutzorganisationen in Deutschland, Aufklärungskampagnen und auch Kontrolle wo nötig, sei es in der Hobby- wie auch in der professionellen Tierhaltung, ist Gesundheit als Ziel zu priorisieren, um unnötige Kosten im System zu vermeiden.
Die Querfinanzierung von Tierschutz durch Tierärzt:innen ist obsolet (siehe Beschlüsse des 30. Deutschen Tierärztetages).
GOT pro Selbständigkeit
Nach der Aufnahme neuer, wichtiger Positionen in die letzte GOT, um dem Fortschritt in der Tiermedizin Rechnung zu tragen, ist eine Grundsatzentscheidung nötig, welche Gewichtung vorzunehmen ist. Analog zu Überlegungen im Zusammenhang mit der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) regen wir an, haustierärztliche Leistungen gegenüber der „Gerätemedizin“ höher zu bewerten.
Damit werden die Selbständigkeit und die Existenz kleinerer Praxen gestärkt. Auch wird einer zunehmenden Verschiebung des Branchenumsatzes in Richtung Großinvestoren/Corporates vorgebeugt, die bereits jetzt einen Anteil von fast 50 % verbuchen.
Selbstverständlich müssen sich teure Geräte amortisieren. Gleichzeitig wird ein Großteil der tiermedizinischen Versorgung (auch im Notdienst) in kleinen und mittleren Einheiten geleistet (siehe Tierärzte Atlas S.43), die es zu stärken gilt.
Transparenz, Therapiefreiheit und Tarifverträge
Dem Wandel in der Tiermedizin hin zu größeren Einheiten, die nicht inhabergeführt sind, sondern von Investoren betrieben werden, ist politisch Rechnung zu tragen. Auf den ersten Blick muss auch für Tierhaltende ersichtlich sein, wer Betreiber einer Praxis oder Klinik ist.
Die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft mit Verhinderung von Monopolen und die Einhaltung des Arbeitsrechtes in der Tiermedizin gilt es verstärkt in den Fokus zu nehmen. Ebenso die Säulen der deutschen Arbeitsmarktordnung, in der Tarifverträge für einen kollektiven Schutz und Standards für die Arbeitnehmenden sorgen und Betriebsräte deren Interessen gegenüber der Geschäftsführung vertreten.
Für angestellte Tierärzt:innen garantiert die Zugehörigkeit zu den freien (Heil-)Berufen die fachlich unabhängige Entscheidungsfreiheit über Diagnostik und Therapie.
Diese Unabhängigkeit ist zwingend zu erhalten, da mit dem zunehmenden Engagement berufsfremder Akteure und dem verstärkten Einsatz von Fremdkapital in der Tiermedizin die Gefahr besteht, dass Therapieentscheidungen dem betriebswirtschaftlichen Kostendruck untergeordnet werden. Als Leitschnur kann der Ethik-Kodex der Tierärztinnen und Tierärzte Deutschlands dienen.
Wertschätzung auch monetär
Der Diskreditierung des tierärztlichen Berufsstandes, besonders von Seiten der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) und in den sozialen Medien, ist entschieden entgegenzutreten. Tiermedizin ist einer der anspruchsvollsten Studiengänge.
Lange befand sich die Entlohnung und befindet sich in Teilen noch, am unteren Ende verglichen mit anderen akademischen Berufen. Berufsanfänger:innen erhalten durchschnittlich nur ca. 21,35 € brutto pro Stunde. Das Einkommen liegt deutlich unter dem von Humanmediziner:innen (siehe aktuelle BaT-Studie). Dies führt zu Abwanderung, Fachkräftemangel und einer Gefährdung der Versorgung.
Tierärztliche Tätigkeit ist kein Ehrenamt. Tierärztliche Praxen und Kliniken sind nach unternehmerischen, betriebswirtschaftlichen Regeln zu führen. Die einseitige Darstellung von Extrembeispielen bei der tierärztlichen Abrechnung, die emotionale Erpressung mit der drohenden Abgabe oder gar Euthanasie von Tieren aufgrund finanzieller Probleme der Tierhalterinnen oder Tierhalter gilt es zu unterlassen und anders zu adressieren.
Die GOT zukunftsfest machen
Einzelne Positionen, wie die Hausbesuchsgebühr, sind zu prüfen. Grundsätzlich ist die GOT-Struktur beizubehalten. In Teilbereichen ist eine Straffung und Zusammenfassung von Positionen angebracht.
Die Wiedereinführung des Zeitfaktors als Instrument der flexibleren Preisgestaltung bei langwierigen und komplexeren Tätigkeiten ist zu begrüßen.
Durch die Neuimplementierung eines automatischen Steigerungsfaktors z. B. korrespondierend zur Inflation, ist der Preisentwicklung Rechnung zu tragen und einer starken Erhöhung nach einigen Jahren zuvorzukommen.
Qualität hat ihren Wert
Ausreichende GOT-Sätze bieten Versorgungssicherheit. Qualität kostet Geld, zeitgemäße Ausstattung, moderne Diagnostik, faire Löhne und Weiterbildungen für qualifizierte Mitarbeitende ebenso.
Durch die Vermittlung der Eigenverantwortung der Tierhaltenden für ihre Tiere, eine hohe Transparenz sowie eine gute Kommunikation der Preise, die einheitlich GOT-konform von der gesamten Tierärzteschaft aufgerufen werden, ist die Verbraucherakzeptanz für den Wert der tierärztlichen Leistungen zu erhöhen.
„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.“
Antoine de Saint-Exupéry
