Arbeitsbedingungen angestellter Tierärzt:innen 2025 – publizierte BaT Studie zeigt Veränderungen und Handlungsbedarfe auf
Neue Datenlage aus Ende 2025 beleuchtet aktuelle Entwicklungen
Die kürzlich veröffentlichte Studie des BaT zeigt die Ergebnisse einer Onlinebefragung unter angestellten Tierärzt:innen in Deutschland, die im Zeitraum von September bis Dezember 2025 durchgeführt wurde. Untersucht wurden unter anderem die Einkommenssituation, die Arbeitsbedingungen, die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes sowie die allgemeine Arbeitszufriedenheit.

Entwicklungen sichtbar, jedoch weiterhin großer Abstand zu anderen akademischen Berufen
Vergütung angestellter Tierärzt:innen
Tierärzt:innen verdienen trotz akademischer Ausbildung weiterhin vergleichsweise wenig. Berufsanfänger:innen erhalten durchschnittlich nur ca. 21,35 € brutto pro Stunde.
Zwar stiegen die Gehälter seit 2020 um etwa 19 %, jedoch insgesamt schwächer als die allgemeine Lohnentwicklung von 23 % in Deutschland.
Gender Pay Gap
Frauen verdienen bei vergleichbarer Qualifikation und Erfahrung weiterhin etwa 7 % weniger als Männer. Somit hat sich die Gender Pay Gap zwar reduziert, besteht aber weiterhin.
Vergleich zur Humanmedizin
Zudem liegt das Einkommen deutlich unter dem von Humanmediziner:innen: Fachärzt:innen verdienen nach Tarif im ersten Jahr ihrer Ausbildung derzeit etwa 31,58 € pro Stunde.
Hohe Arbeitsbelastung und Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz geben Anlass zur Sorge
Viele Tierärzt:innen leisten regelmäßig Überstunden. Aus der Studienpopulation waren es rund 70 %, oft mehrere Stunden pro Woche. Besonders belastet sind Tierärzt:innen im Pferde- und Nutztierbereich.
Notdienste sind sehr häufig: Dreiviertel der Befragten leisten Nacht und/oder Wochenenddienste – somit tragen die Angestellten deutlich zur Sicherung der tierärztlichen Versorgung bei.
Gravierende Probleme beim Arbeitsschutz
- 40 % der Befragten können vorgeschriebene Pausen mindestens einmal pro Woche nicht einhalten.
- Über 22 % arbeiten regelmäßig länger als 10 Stunden täglich.
- Etwa 30 % erhalten nicht die gesetzlich vorgeschriebene Ruhezeit von 11 Stunden.
- Teilweise werden Arbeitszeiten unzureichend dokumentiert oder nachträglich verändert.
- Einige Arbeitgeber:innen ziehen automatisch Pausen ab, obwohl diese nicht genommen wurden.
Unsere Position
Diese genannten Punkte sehen wir als Vertretung der angestellten Tierärzt:innen als sehr problematisch an und fordern sowohl Arbeitgebende als auch Arbeitnehmende auf, sich an die gesetzlichen Grundlagen zu halten.
Wir bieten gern Information zu Tarifverträgen, die eine Anpassung des Arbeitszeitgesetzes an die Branchenbedürfnisse ermöglichen. Für die Angestellten appellieren wir an deren Selbstfürsorge und bieten im Rahmen der BaT-Mitgliedschaft ebenfalls Unterstützung und eine Stimme in der Berufspolitik, um Änderung herbeizuführen.
Arbeitszufriedenheit deutscher Tierärzt:innen unter dem Niveau internationaler Kolleg:innen und Akademiker:innen
Insgesamt zeigt die Studie eine mäßige Arbeitszufriedenheit bei den Teilnehmenden. Sie lag im Durchschnitt bei 62 von 100 möglichen Punkten und liegt damit auf dem Niveau der Gesamtbevölkerung (Lincke et al., 2021).
Andere Studien in Deutschland, die das gleiche Messinstrument eingesetzt haben, ermittelten für Zahnärzt:innen einen Durchschnittswert von 75 und für Hausärzt:innen von 77 bzw. 79 (Beutel et al., 2023; Göbel et al., 2022).
Gründe für Unzufriedenheit
Unzufrieden waren viele Teilnehmende mit:
- der Art und Weise, wie ihre Fähigkeiten genutzt werden,
- den Karriereperspektiven,
- dem Gehalt,
- dem Management.
Dagegen waren die Befragten überwiegend zufrieden mit dem Team und den körperlichen Arbeitsbedingungen.
Unterschiede zwischen Corporates und inhabergeführten Praxen
Mitarbeiter:innen in unternehmensgeführten Tierarztpraxen:
- leisten mehr Überstunden,
- haben eine geringere Arbeitszufriedenheit,
- können seltener Pausen einhalten.
Obwohl dort das vertragliche Gehalt teilweise höher war, verschwand dieser Vorteil unter Berücksichtigung der tatsächlich geleisteten Arbeitszeit.
Tierärzt:innenmangel oder systematisches Verkennen von Ursache und Wirkung?!
Zentrale Ergebnisse der Studie
Die Studie macht deutlich, dass die Erhöhung der GOT nicht dazu geführt hat, dass das Gehalt von angestellten Tierärzt:innen überproportional gestiegen ist.
Trotz des vergleichsweise geringen Verdienstes zeigen angestellte Tierärzt:innen eine hohe Leistungsbereitschaft, indem sie Überstunden leisten und auch im Notdienst für ihre Patient:innen da sind.
Leider führen vor allem fehlende Entwicklungsmöglichkeiten und das Gehalt zu Unzufriedenheit. Zudem zeigen sich nach wie vor Probleme bei der Dienstplangestaltung und der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes.
Folgen für den Berufsstand
Andere Studien haben bereits gezeigt, dass die Arbeitsbedingungen wesentlich zur Entstehung psychischer Erkrankungen und einer Abwanderung aus dem Beruf beitragen (Pohl et al., 2022; Ryan et al., 2022; Schwerdtfeger et al., 2024).
Dadurch verschärft sich der Fachkräftemangel, sodass die gleiche Arbeitsbelastung auf immer weniger Schultern verteilt wird.
BaT Empfehlungen für die Arbeitgebenden und die Branche insgesamt
Forderungen für die Zukunftsfähigkeit der Branche
Die Autor:innen der Studie fordern zum Erhalt der Zukunftsfähigkeit der Branche:
- höhere Gehälter (siehe BaT-Standards),
- strengere Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes,
- bessere Dienstplanung,
- mehr Personal zur Ermöglichung des Notdienstes,
- stärkere Unterstützung von Familien durch Teilzeitmodelle,
- gerechtere Bezahlung von Frauen,
- bessere Führung und Mitarbeitergespräche.
Tarifverträge als Teil der Lösung
Alle genannten Punkte – insbesondere auch die rechtskonforme Ausgestaltung von Diensten über 8 Stunden hinaus, die Sicherstellung der tierärztlichen Versorgung außerhalb der regulären Sprechzeiten sowie die Erhöhung der Zufriedenheit der Mitarbeitenden – können unter Nutzung von Tarifverträgen erreicht werden.
Erneut bietet sich der BaT als reine Arbeitnehmendenvertretung in der Tiermedizin als Gesprächs- und Verhandlungspartner für Tarifverträge für Tierärzt:innen an – denn nur gemeinsam können wir die tierärztliche Versorgung sicherstellen.
Weiterführende Informationen zur BaT-Studie 2025
Die vollständigen Ergebnisse der Studie finden Sie im Fachartikel der Zeitschrift veterinary sciences (Vet. Sci. 2026, 13.5).
Quellen
Beutel, T.; Koestner, C.; Wild, P.S.; Münzel, T.; Beutel, M.E.; Lackner, K.J.; Pfeiffer, N.; Nübling, M.; Becker, J.; Letzel, S. Burnout, self-rated general health and life satisfaction among teachers and other academic occupational groups. Front. Public Health 2023, 11, 1209995.
Göbel, J.; Schmidt, M.; Seifried-Dübon, T.; Linden, K.; Degen, L.; Rind, E.; Eilerts, A.-L.; Pieper, C.; Grot, M.; Werners, B.; et al. Higher Work-Privacy Conflict and Lower Job Satisfaction in GP Leaders and Practice Assistants Working Full-Time Compared to Part-Time: Results of the IMPROVEjob Study. Int. J. Environ. Res. Public Health 2022, 19, 2618.
Lincke, H.J.; Vomstein, M.; Lindner, A.; Nolle, I.; Häberle, N.; Haug, A.; Nübling, M. COPSOQ III in Germany: Validation of a standard instrument to measure psychosocial factors at work. J. Occup. Med. Toxicol. 2021, 16, 50.
Pohl, R.; Botscharow, J.; Böckelmann, I.; Thielmann, B. Stress and strain among veterinarians: A scoping review. Ir. Vet. J. 2022, 75, 15.
Ryan, E.G.; Beatty, S.H.; Gray, E.; Field, N.; Liston, R.; Rhodes, V.; Donlon, J. Factors affecting retention of veterinary practitioners in Ireland: A cross-sectional study with a focus on clinical practice. Ir. Vet. J. 2022, 75, 13.
Schwerdtfeger, K.; Glaesmer, H.; Bahramsoltani, M.; High overcommitment and low reward as potential predictors for increased depressive symptoms, suicidal ideation, and suicide risk in German veterinarians. Plos One 2024, 19.
